Friedemann Hasse


Musik zum Träumen ...

Das Ende einer Ära – auf zu neuen Ufern!

Geschrieben von Friedemann Hasse | 22nd May, 2015

Zuerst möchte ich mich bei Euch allen für die lieben und verständnisvollen Kommentare zu meinem Austritt bedanken! Ich hatte nie Zweifel daran, dass ich auch ohne Stilbruch weiter aktiv Musik machen werde. Aber Eure Worte haben mir noch einmal zusätzlich Kraft gegeben für die vielen kleinen Schritte des Neuanfangs, die jetzt auf mich zukommen.

In den 10 Jahren mit Stilbruch hat sich meine Sicht auf das Leben und den Werdegang von Musikern ganz schön verändert. In unserer Anfangszeit hatte ich zum Beispiel noch die Vorstellung, dass man sich vor allem auf eines konzentriert: die perfekte Demo-CD. Danach würden sich andere einschalten, die einem die ganze Arbeit drum herum abnehmen. Weit gefehlt. Unsere erste Stilbruch-CD habe ich selbst mit meinem klapprigen Computer unter Sebastians strenger Aufsicht in einer Gartenlaube aufgenommen. Wir konnten damit keinen Profi beeindrucken. Allerdings hat sie unseren Zuhörern gefallen und wir konnten sie tausendfach verkaufen. Und wir konnten uns eine Homepage, Bühnentechnik und die nächste CD-Aufnahme finanzieren. Meine erste und wichtigste Erfahrung mit Stilbruch: Als selbstständiger Musiker ist man für alles selbst verantwortlich. Rechnet man die ganze Arbeit zusammen, ist es ein wirklich schlecht bezahlter Job. Oder doch nicht? Mein Geigenprofessor pflegte zu sagen: „Friedemann, als Geiger arbeitest Du Dein Leben lang an Dir selbst - und bekommst auch noch Geld dafür!“

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Als der schwere Entschluss in mir heran reifte, bei Stilbruch auszusteigen, gingen mir viele unserer Erlebnisse durch den Kopf. Wie wir in Wien auf der Flucht vor der Ordnungsbehörde schließlich aus Protest in einem Brunnen Straßenmusik machten (siehe Foto). Wie ich mit Fieber und unter Tabletteneinfluss auf der Fernsehbühne vor ca. 8 Mio. Zuschauern stand und nur gehofft habe, dass es schnell vorbei geht. Ich erinnere mich an wundervolle Straßenmusiken, bei denen mitgesungen und mitgetanzt wurde. Mir wurde klar, dass ich auf all das nicht völlig verzichten möchte. Und dann erinnerte ich mich an all die anderen Musiker, die wir auf den Bühnen kennen lernten. An meine Studienfreunde, mit denen ich früher viel musiziert (und noch viel mehr in der Mensa oder der Kneipe gesessen habe). Bei 120 Stilbruch-Konzerten im Jahr blieb dafür keine Zeit mehr. Ich habe viele meiner Freunde vernachlässigt.

Das will ich nun ändern. Ich habe begonnen, eine Liste zu schreiben. Darauf stehen Freunde und bekannte Künstler, mit denen ich gern Musik machen möchte. Eine Liste mit Musikern, die mich innerhalb der letzten 10 Jahre auf irgendeine Weise tief beeindruckt haben (ob in der Kneipe oder auf der Bühne…). Einige habe ich schon angesprochen. Stück für Stück werde ich Euch alle diese Menschen vorstellen. Ihr könnt miterleben, was wir machen und was dabei entsteht. Es heißt, man kann neue Ufer nur erreichen, wenn man den Mut hat, die alten zu verlassen. Es heißt auch, man sieht sich immer (mindestens) zweimal im Leben! Soll heißen: Wir sehen uns, ob nun auf einem Stilbruch-Konzert im Publikum oder dem eigenen auf der Bühne...


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