Friedemann Hasse


Musik zum Träumen ...

Wer ist Tom Gavron?

Geschrieben von Friedemann Hasse | 4th Jun, 2015

Wer „Tom Gavron“ ist, ist die falsche Frage für den Anfang. Denn der Mensch, der sich hinter diesem Namen verbürgt, ist ein scheues Wesen. Das, was an musikalischem Genie in ihm steckt, hindert ihn zugleich daran, auf so eine plumpe Frage zu reagieren. Eine gute Frage für den Anfang wäre zum Beispiel: „Was machte ein gewisser Geiger den lieben langen Studententag während andere einer ehrlichen, schweißtreibenden Tätigkeit nachgehen?“

Ihr habt gefragt, gern möchte ich antworten. Der Geiger sitzt in der Mensa der Musikhochschule und wartet. Er wartet auf ein freies Zimmer zum Üben. Er wartet auf das nächste Hüngerchen, die Damen an der Essensausgabe, mit denen er schon seit geraumer Zeit per Du ist, haben ihm bestimmt schon etwas „zurückgelegt“. Nicht dass schon wieder ausgerechnet die Lieblingsspeise vergriffen ist. Und er wartet auf Micha.

Unter Musikern heißt es, die Welt ist ein Dorf und jeder kennt jeden. Das stimmt so nicht ganz. In Wahrheit kennen alle Micha, und Micha kennt alle. Er ist das soziale Zentrum der Musik. Dazu ein einfaches Beispiel: Der international gefeierte Geiger Gidon Kremer kommt mit seinem Ensemble Kremerata Baltica nach Dresden und gibt ein Konzert. Ich will hin. Ich begebe mich also lange Zeit vorher zum Kartenschalter und versuche Konzertkarten zu ergattern. Ausverkauft. Micha dagegen fällt zwei Tage vor dem Konzert ein, dass ja der Gidon Kremer in die Stadt kommt. Er ruft den ersten Bratschisten, einen Letten den er einmal in Großbritannien kennen gelernt hatte, an und erklärt ihm, er brauche Karten. Dann schenkt er mir eine zum Geburtstag und sagt noch vier Freunden Bescheid, dass wir alle zu Gidon Kremer gehen, denn er hat nun sechs Karten ganz vorne im Parkett. Danach soll es noch zusammen mit Gidon Kremer und der Kremerata in die Kneipe gehen…

Micha ist auch Geiger und ich darf ihn zu meinen Freunden zählen. Eines Nachmittags in der Mensa meint er zu mir: „Heute Konzert Tom Gavron im Theaterkahn. Das ist es! Kommst Du?“ Natürlich kam ich, ohne zu wissen, wer dieser „Tom Gavron“ wirklich war. Er war damals noch unser Kommilitone im Fach Jazzgesang und spielte bzw. sang sein Abschlusskonzert. Fast ausschließlich eigene Titel unter dem Programmnamen „Peter goes to the moon“. Das ist sehr selten und ein Wagnis, denn manche Professoren sehen das als Aufforderung an, entweder ihre harte Kritik auch über die Kompositionen zu ergießen oder, was nicht besser ist, die gesanglichen Anforderungen des Programmes in Zweifel zu ziehen. Unter dem Motto: „Sie weichen der klassischen Literatur aus, um Ihre Defizite zu vertuschen!“ Jedenfalls war ich begeistert! Die Stimme, die Songs und die Arrangements ergaben eine kraftvolle Einheit. Zugleich waren die Songs sehr abwechslungsreich. Es gab kein Schema F zu hören, alles war erfrischend und ich vergaß beim Zuhören sehr schnell, dass das eine Prüfung war. Keine Wertungen im Kopf, kein Warten auf Fehler, einfach nur der Musik lauschen. Wunderbar!

Jedenfalls wollte ich nach diesem Abend unbedingt diesen Sänger kennen lernen. Kein Problem. Micha hatte sowieso wieder eine Kneipenverabredung getroffen und wir versackten alle zusammen bei Bier und spärlicher Beleuchtung. Wir stellten fest, dass es auch außermusikalisch viel zu bereden gab: Tom und ich hatten dieselbe Exfreundin! Tom hatte noch an der plötzlichen Trennung zu kauen und ich hatte nach so viel Alkohol auch viel mitzuteilen. Wir verbrüderten uns.

Seit diesem Erlebnis sind wir enge Freunde geblieben. Und wir haben entdeckt, dass wir uns auch in künstlerischer Hinsicht viel zu geben haben. Ich durfte Tom mit meiner Geige zur Seite stehen, so oft es terminlich möglich war. Er bereitete mich speziell auf meine Gesangs- und Klavierprüfung vor und ich lernte bei ihm in wenigen Wochen mehr als in drei Jahren bei meinen Professoren.

Zurzeit krame ich ja in meiner Schublade für unaufgeführte Werke und mache mein nächstes musikalisches Programm startklar. Aber ich habe auch neue Titel geschrieben, unter anderem einen Song für meine Tochter. Also habe ich Tom gefragt, ob er für das kleine Wesen nicht musikalischer Pate werden möchte und diesen Song übernimmt. Er hat sofort zugesagt.

Diesen Song bekommt Ihr aber noch nicht zu hören. Neben der Suche nach einem Bandnamen, Proben, der Organisation einer CD-Aufnahme, Konzerten usw. (Ja, diese Dinge kommen nun alle gleichzeitig auf mich zu, wenn es weitergehen soll!) haben Tom Gavron und ich nämlich noch andere Titel in Vorbereitung. Allerdings ist der Gute sehr schwer zu kriegen und daher kann ich Euch nur wenige Töne zu Gehör bringen, die er mir mit dem Handy aufgenommen zugeschickt hat! Der Text ist von… Nein, das kriegt Ihr auch ohne mich raus!


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