Friedemann Hasse


Musik zum Träumen ...

Wo?

Geschrieben von Friedemann Hasse | 30th Oct, 2015

Heinrich Heine (1797-1856)

Wo?

Wo wird einst des Wandermüden
Letzte Ruhestätte sein?
Unter Palmen in dem Süden?
Unter Linden an dem Rhein?

Werd ich wo in einer Wüste
Eingescharrt von fremder Hand?
Oder ruh ich an der Küste
Eines Meeres in dem Sand?

Immerhin! Mich wird umgeben
Gotteshimmel, dort wie hier,
Und als Totenlampen schweben
Nachts die Sterne über mir.

Vor fast 200 Jahren stellte der Dichter Heinrich Heine in einem Gedicht die einfache Frage: Wo? Wo wird einmal meine letzte Ruhestätte, mein Grab sein. Wo ist oder war meine Heimat?

Beeindruckt haben mich an diesem Text sofort zwei Dinge: Zum einen ist die geographische Größenordnung seiner Suche bemerkenswert – er schreibt von Palmen in dem Süden, von Linden an dem Rhein, gar von Wüsten und Meeren. Egal in welchem Diskurs man das Gedicht liest, ob man an geographische, kulturelle, religiöse Heimat usw. denkt, offensichtlich ist in diesem Text jede erdenkliche letzte Ruhestätte auch eine mögliche. Zum anderen ist dieser kurze Text zeitlos, sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Nach all den Jahren des technischen Fortschritts haben wir auf die Frage nach der eigenen, individuellen Identität noch keine bessere Antwort, als man sie damals vor etwa 200 Jahren hatte. Im Gegenteil: Heimatlose „Wandermüde“ sind für uns Alltag geworden (- und damit sind nicht zwangsweise die Flüchtlingsströme gemeint).

Wir Weltkinder haben dieses Gedicht bzw. das Lied, das wir aus diesem Gedicht gemacht haben, ins Zentrum unseres ersten Albums „Wo wird einst“ gestellt. Aus aktuellem Anlass füge ich hinzu: Wir Weltkinder habe eine klare Sichtweise zum richtigen Umgang mit heimatlos gewordenen Menschen. Allerdings reicht es uns aus, mit pathetischen Handlungen zu sprechen ;-) Zu unserem ersten Konzert werden wir die Originalzeichnungen aus dem Album-Artwork versteigern und spenden dann den Erlös integrativen Projekten für Flüchtlingskinder. Die Zeichnungen hat der amerikanische Künstler James Gardiner für uns angefertigt. Der Handelswert seiner anderen Kunstwerke sagt voraus, dass da ein hübsches Sümmchen zusammen kommen wird. Dieses Geld wird sicherlich dringend gebraucht: Es ist die eine Sache, ankommende Familien kurzfristig in Notunterkünften unterzubringen. Die wirkliche Aufgabe wird sein, den vielen Kindern eine Zukunft und neue Heimat zu schenken, denn wer sich einmal die zahlreichen Fotos aus den Kriegsgebieten der Herkunftsländer angeschaut hat, weiß, dass sie die alte Heimat für eine lange Zeit nicht mehr haben.

Unser Musikvideo Wo wird einst - Klick mich an!


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