Friedemann Hasse


Musik zum Träumen ...

Zwei magische Tage im Tonstudio

Geschrieben von Friedemann Hasse | 15th Jul, 2015

Wie viele von Euch wissen, arbeite ich gerade mit vier Sängern an unserem gemeinsamen Debütalbum „Weltkind – Wo wird einst“. Veröffentlicht werden soll es schon im November, deshalb entschied ich trotz unsicherer Finanzierung, zumindest mit den Streicherstimmen die Studio-Arbeit schon jetzt zu beginnen.

Streicherklang war immer meine Leidenschaft (und Streicherarrangements vielleicht auch meine Stärke), daher hatte ich schon zu Beginn des Projekts genaue Vorstellungen, wie und mit wem ich gern einspielen möchte:

Als Geiger wollte ich Florian Mayer heran holen. Schon die erste Begegnung mit ihm – vor vielen Jahren als damals neuer Geiger der Gruppe „Blaues Einhorn“ – hat mich fasziniert. Seine Lebendigkeit, seine Vielseitigkeit, sein unglaublicher Gestaltungswille und dazu technische Perfektion haben ihn in Musikerkreisen längst zur Legende werden lassen (Tipp: unbedingt mal ein Konzert besuchen, Termine auf: http://www.flomay.de/ ). Ich konnte Florian schon als 1. Geiger im Streichquartett für die letzte Stilbruchplatte gewinnen. Er war Ersatzmann für die Konzerttermine, als meine Tochter geboren wurde. Und auch dieses Mal hat er zugesagt!

Florian.jpg

Damit Florian sich solistisch austoben kann, hat er die erste und ich habe die zweite Geige übernommen. Eine ganz neue Herausforderung für mich, denn bei Stilbruch habe ich nie Mittelstimmen gespielt. Kein Problem: Ein Anruf bei meiner Lieblingsbratscherin Dorothea Anger und ich hatte nicht nur die dritte Quartettmusikerin, sondern auch noch einen sehr fähigen Coach für kammermusikalisches Musizieren gefunden. Dorothea und ich hatten schon oft bei Stilbruch die Bühne miteinander geteilt. Hier konnte ich sie noch einmal neu kennen lernen: Liebe Doro, vielen Dank fürs gemeinsame Üben, für die guten Ideen und den tollen Bratschenklang!

Doro Friedi.jpg

Nun fehlte nur noch der Cellist. Wie in der bildenden Kunst spielt auch in der Musik Symmetrie eine wichtige Rolle. Ich suchte also im Cellopart eine klangliche Entsprechung zur 1. Geige, jemanden, der in Ausdruckswillen und solistischem Klang nicht hinter Florian zurück bleibt. Und ich fand Norbert Anger. Eigentlich braucht dieser junge Musiker keine Vorstellung mehr: Man kennt ihn als Konzertmeister der Staatskapelle Dresden, als Solist mit verschiedenen Orchestern, als Preisträger vieler internationaler Wettbewerbe usw. (für die ganz Neugierigen hier der Link zu seiner Biographie: http://norbertanger.com/biografie/ ). Für mich war es jedenfalls ein besonderer Moment, als wir die ersten Töne zusammen gespielt haben. Florian und Norbert haben sich sehr schnell musikalisch kennen gelernt und sich gegenseitig mit gestalterischen Ideen hervorragend ergänzt. Passend zum Wetter (im Aufnahmeraum herrschten am 1. Studiotag stolze 34 Grad!) hatten wir von Anfang an einen sehr warmen Streicherklang. Unser Meister am Ton Paul Zöllner schaffte es tatsächlich, diesen Klang mit seinen sorgsam ausgewählten und perfekt platzierten Mikrofonen einzufangen und unverfälscht durch die vielen Kabel in das große Pult zu bekommen. Schon beim ersten Kontrollhören waren alle höchst zufrieden! Dann gingen die Aufnahmen ziemlich schnell. In nur 19 Stunden verteilt auf 2 Studiotage nahmen wir dreizehn Titel auf. Abends am zweiten Tag hatten wir schon eine Weile am letzten und schwersten Titel gearbeitet, als es zu einem wirklich magischen Abschluss kam. Wir hatten eigentlich eine „amtliche“ Version in drei Einzelabschnitten aufgenommen, doch Norbert wollte nicht locker lassen und schlug vor, zuletzt alles noch einmal in einem „Take“ zu versuchen.

Norbert.jpg

Es ist die eine Sache, als Solist mit einem eingespielten Ensemble und viel Probenzeit ein Stück so zu spielen, dass man es als Aufnahme direkt so verwenden kann. (Wird kaum mehr so gemacht…) Eine ganz andere Sache ist es, wenn sich vier Musiker kurzfristig zusammen finden und ohne gemeinsame Probe (eine gemeinsame Probe war wegen des engen Konzertplans bei Norbert und Florian nicht möglich) an einem Stück perfekt zusammen, inspiriert und fehlerfrei spielen sollen. Kurz: Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist. Und doch: Unsere letzte Aufnahme an diesem Tag nach 10 Stunden Studio-Arbeit lief wie am Schnürchen. Zeile für Zeile wanderten die Augen über das Notenpapier, die Anspannung wurde immer größer, alle wussten, dass wir gerade einen Wahnsinns-Take hinlegten. Mir standen die Schweißperlen auf der Stirn (diesmal nicht nur wegen der hohen Temperaturen im Studio) – jetzt nur nichts vergurken, dachten wir alle. Dann kam die Schluss-Strecke, der letzte Ton und die angespannte Stille danach: Wir hatten es tatsächlich geschafft. Der letzte Titel kann als ein Take ohne Schnitt auf die CD! Norbert lud uns als Ausgleich für die Überstunden auf ein Bier ein, wir stießen an auf zwei sehr anstrengende, aber unheimlich schöne Studiotage. Vielen Dank Euch allen! Ich freue mich schon jetzt wie ein kleines Kind auf die fertige CD!

Friedi magic.jpg

Hier klicken, reinhören und uns unterstützen!


Kommentare